Übungen

Held*innen

„Sie ist meine Heldin! Und wer ist Ihr*e Held*in?“

Überblick

Themen
  • Gleichberechtigung der Geschlechter
  • Diskriminierung und Intoleranz
  • Politische Partizipation
Komplexität

Stufe 2

Gruppengröße

Beliebig (in Kleingruppen: 5–7 Personen)

Zeit

60 Minuten

Überblick

Diese Aktivität umfasst Einzel-, Gruppen- und Plenumsarbeit, Brainstorming und Diskussion über

  • Held*innen als Symbole von Sozialisation und Kultur
  • die Wurzeln von Geschlechterstereotypen in Geschichte, Kultur und Alltag
Fokus
  • Das Recht auf Chancengleichheit
  • Schutz vor Diskriminierung
Ziele
  • Reflektieren, weshalb historische Ereignisse unterschiedlich interpretiert werden
  • Die Fähigkeit zu kritischer Analyse entwickeln
  • Neugier, Aufgeschlossenheit und Gerechtigkeitsempfinden fördern
Materialien
  • Papier und Stifte (möglichst 1 blauen und 1 roten pro Person)
  • Flipchart-Papier und Marker

Durchführung

Anleitung

  1. Geben Sie den Teilnehmer*innen (TN) 5 Minuten Zeit zum Überlegen, welche Menschen (historische oder zeitgenössische) sie besonders bewundern.
  2. Verteilen Sie Papier und Stifte und bitten Sie die TN darum, die Namen von drei oder vier Held*innen aufzuschreiben und kurz zu erläutern, wer sie sind und was sie für ihr Land oder die Gemeinschaft getan haben. Am unteren Rand sollen Schlüsselwörter zu den persönlichen Eigenschaften der Held*innen aufgeführt werden, zum Beispiel Charakter, politische Einflussnahme, Unterstützungs- und Empowerment-Aspekte.
  3. Nun werden Kleingruppen zu 5 bis 7 Personen gebildet, die ihre Auswahl an Held*innen diskutieren. Jede Gruppe soll sich auf vier Held*innen einigen, die sie am meisten beeindruckt haben.
  4. Dann kommen alle im Plenum zusammen und schreiben die Namen der Held*innen auf das Flipchart. Fügen Sie außerdem Schlüsselworte mit den Charaktereigenschaften der aufgelisteten Personen hinzu.
  5. Diskutieren Sie die Liste der Eigenschaften und die Funktion von Held*innen und die Frage, inwieweit es sich dabei um Geschlechterstereotype handelt. Dann gehen Sie zur Nachbereitung über.

Nachbereitung und Auswertung

Fragen Sie, zu welchen Personen und Eigenschaften sich die TN ausgetauscht haben und was ihnen dabei aufgefallen ist. Sprechen Sie dann über Stereotype allgemein und wie sie Wahrnehmung und Handeln beeinflussen:

  • Was für Menschen sind Held*innen? Durch welche Eigenschaften und Handeln unterscheiden sie sich von anderen „durchschnittlicheren“ Menschen und wurden hierin von ihnen als Held*innen bewertet? Was haben sie getan? Gekämpft? Gedichte geschrieben? Wie haben die TN von ihnen erfahren?
  • Welche Geschlechtsidentitäten haben die Held*innen auf der Liste? Sind auf der Liste auch Personen jenseits des binären Geschlechterverständnisses? Handelt es sich bei den Personen auf der Liste vor allem um (cis-)Männer? (Zur Erklärung: Als cis-Menschen werden Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität demjenigen Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.) Wenn ja, woran könnte das liegen? Für welche Werte stehen die Held*innen?
  • Sind diese Werte je nach Geschlecht gleich oder gibt es Unterschiede?
  • Was versteht man unter dem Begriff „Stereotype“? Wie viel Wahrheit steckt in Stereotypen? Sind Stereotype immer negativ?
  • Welche Geschlechterstereotype und Erwartungen gelten für Menschen hierzulande und wovon ist das abhängig? Welche Erfahrungen machen Personen, die mehrere Diskriminierungsformen erleben, zum Beispiel aufgrund ihres
  • Geschlechts, einer Behinderung, ihrer Religion, ihres Aussehens etc.?
  • Fühlen sich die TN in ihrem Alltag von diesen Erwartungen eingeschränkt? Inwiefern?
  • Inwieweit sind soziale und gesellschaftliche Barrieren das Ergebnis von Stereotypen?
  • Inwiefern werden Menschenrechte durch Geschlechterstereotype verwehrt?
  • Welche Menschenrechtsinstrumente und Artikel schützen vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts?
  • Erwartungen, die auf Geschlechterstereotypen beruhen, sind oft Barrieren, weil sie die Entscheidungsfreiheit und Lebensmöglichkeiten einschränken. Auf welche geschlechterrollenbedingten Barrieren sind die TN schon gestoßen? Zu Hause, in der Schule, im Verein oder am Arbeitsplatz?
  • Was kann man gegen diese Barrieren tun? Gibt es Strategien, um kulturelle Werte und Normen von Männlichkeit und Weiblichkeit zu durchbrechen?

Tipps für die Moderation

Einführung

Das Wort „Held*in“ ruft in verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche Assoziationen hervor. Seien Sie sich dessen bewusst und erläutern Sie die Bedeutung genau. Weisen Sie gegebenenfalls darauf hin, dass Held*innen Rollenvorbilder
sind.

Je nach Zielgruppe und Kontext ist es vielleicht leichter, die Brücke zu den Menschenrechten zu schlagen, wenn Sie gezielt nach Held*innen der Menschenrechtsbewegung fragen (Menschenrechtsverteidiger*innen, Aktivist*innen, Menschen, die im eigenen Land oder weltweit Veränderungen herbeigeführt haben). Anschließend können Sie über die Entwicklung der Menschenrechte, ihren Einfluss auf lokales, regionales und internationales Recht und über lokale/nationale Herausforderungen sprechen.

Bei Punkt 4 der Anleitung sollten Sie sämtliche Beiträge der Kleingruppen akzeptieren und auf dem Flipchart festhalten. Schlägt jemand Begriffe wie „weiblich“ oder „männlich“ vor, dann sollten Sie auch diese zunächst akzeptieren und später bei der Auswertung über die Bedeutung dieser Worte diskutieren.

Diese Aktivität lässt sich sehr gut in einem internationalen Umfeld durchführen. Bilden Sie gemischte Gruppen und erklären Sie, dass die Held*innen sowohl aus dem Land, in dem sich die TN jetzt befinden, als auch aus ihrem Herkunftsland stammen können.

Varianten

Bei der Arbeit mit Jugendgruppen wird es wahrscheinlich um andere Held*innen gehen, zum Beispiel um Comicfiguren oder Filmhelden, Popstars und berühmte Sportler*innen. Sie könnten mit der Lektüre von Comics einsteigen und dann ein Brainstorming über die Eigenschaften dieser Figuren durchführen. Oder Sie hängen Plakate von Popstars oder Spitzensportler*innen auf und bitten die TN, etwas dazu zu zeichnen oder Sprechblasen zu verfassen. Wenn Sie die Frage „Wer sind eure Held*innen“ völlig offen lassen, können Sie ein paar interessante Überraschungen erleben, die zu einer fruchtbaren Diskussion führen. Manche Gruppenmitglieder führen zum Beispiel ihre Eltern, Yuri Gagarin, Hello Kitty, Nelson Mandela oder Beethoven an!

Vorschläge zur Weiterarbeit

Interessiert sich die Gruppe für Held*innen der Menschenrechtsbewegung, dann arbeiten Sie mit der Übung „Aktiv für Menschenrechte!“ weiter.

Ideen zum Handeln

Rufen Sie die TN dazu auf, mehr auf Stereotype in ihrem Alltag zu achten, insbesondere wenn sich diese bei andern und bei ihnen selbst zu Vorurteilen verhärten. Da männliche Heldenrollen in der klassischen Geschichtsschreibung noch immer dominieren, recherchieren Sie über Frauen und Menschen mit anderen Geschlechtsidentitäten, die ihr Land, ihre Gemeinschaft oder die Welt vorangebracht haben, aber nicht so bekannt sind. Organisieren Sie eine Ausstellung in Ihrer Schule oder Ihrem Verein. Sie können auch einen Artikel über diese Menschen für eine Lokalzeitung schreiben oder ein kurzes Video drehen und ins Internet stellen.

Organisieren Sie eine Feier zum Internationalen Frauentag. Oder Sie recherchieren über Menschen, die eine „Held*innentat“ vollbracht haben, die „untypisch“ ist für ihr Geschlecht, also geschlechtertypischen Zuschreibungen wiederspricht.

Weitere Informationen

Stereotype sind vereinfachende, verallgemeinernde und oft unbewusst vorgefasste Meinungen über Menschen oder Ideen, die zu Vorurteilen und Diskriminierung führen können. Es handelt sich um Verallgemeinerungen: Eigenschaften von einigen aus einer Gruppe werden auf die ganze Gruppe übertragen, etwa, dass „die“ Italiener*innen Opernfans sind, dass Motorradfahrer*innen in schwarzer Lederkluft gefährlich sind und dass Schwarze Menschen aus Afrika kommen. Werden Menschen bestimmte Geschlechterrollen zugeschrieben oder herrschen bestimmte geschlechtstypische Erwartungen an ihr Verhalten (zum Beispiel „Männer sind aggressiv“, „Frauen sind zickig“), dann spricht man von „Geschlechterstereotypen“.

Die Begriffe Geschlecht und Geschlechterrolle werden manchmal verwechselt und nicht entsprechend ihrer eigentlichen Bedeutung verwendet.

Einer biologischen Auffassung nach können Körper unter anderem anhand von Keimdrüsen und äußeren Geschlechtsorganen unterschieden werden. Häufig wird Menschen auf dieser Basis entweder ein männliches oder ein weibliches Geschlecht (sex) zugewiesen. Allerdings sind Körper wesentlich komplexer und differenzierter als diese beiden Kategorien, so gibt es beispielsweise auch intergeschlechtliche Körper.

Geschlecht kann auch als ein soziales Phänomen beziehungsweise Konstrukt definiert werden (gender). Damit verbunden sind Zuschreibungen, Tätigkeiten und Verhaltensweisen, die als „weiblich“ oder „männlich“ bewertet werden. Gender bezieht sich also auf soziale Merkmale, die gelernt oder im Lauf der Sozialisation als Mitglied einer bestimmten Gemeinschaft erworben werden.

Der Begriff Intergeschlechtlichkeit meint Menschen (Inter*, intergeschlechtliche, intersex, intersexuelle, zwischengeschlechtliche Menschen), deren körperlich- biologisches Geschlecht nicht in die medizinische und gesellschaftliche Norm männlicher und weiblicher Körper passt. Dies kann in der Ausprägung der Chromosomen, der Keimdrüsen oder der anatomischen Entwicklung von primären oder sekundären Geschlechtsmerkmalen begründet sein. Der Begriff bezieht sich damit auf angeborene Variationen der Geschlechtsmerkmale.

Der Begriff Transgeschlechtlichkeit meint Menschen (Trans*, transgeschlechtliche, transgender, transsexuelle, transidente Menschen), die sich nicht (nur) mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Der Begriff bezieht sich damit auf die Vielzahl von Geschlechtlichkeiten und Geschlechtsidentitäten.

Wenn die Gruppe Schwierigkeiten hat, Held*innen mit anderen Geschlechtsidentitäten außer Männer/Frauen zu finden, können Sie auf den Sport- und Kulturbereich als Inspiration hinweisen: Balian Buschbaum (war unter dem Namen Yvonne Buschbaum im Stabhochsprung aktiv), Laverne Cox (US-amerikanische Schauspielerin), Bülent Ersoy (türkische Sängerin), Benjamin Melzer (deutsches Model) oder Conchita (österreichischer Sänger und Travestiekünstler) sind vielleicht gerade in der jüngeren Generation bekannt. Aber auch über Chelsea Manning (Whistleblowerin, als Bradley Manning in der US-Armee aktiv gewesen), Anna Grodzka (polnische Gesellschaftsaktivistin und Politikerin), Julius Kaggwa (ugandischer Aktivist für die Rechte von Trans- und Interpersonen), Gopi Shankar Madurai (indische*r Aktivist*in für Gleichberechtigung), Alecs Recher (Schweizer Jurist und Politiker), Julian Schutting (österreichischer Schriftsteller) oder Christiane Völling (deutsche Autorin, die auch durch einen Gerichtsprozess auf Intersexuelle und die Problematik von nicht-einvernehmlichen chirurgischen Eingriffe aufmerksam machte) lässt sich recherchieren. Auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite gibt es eine entsprechende Liste.

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