Übungen

Netzwerke bilden

„Demokratie ist nichts, woran man glaubt oder seinen Hut aufhängt, sondern etwas, was man tut. Man beteiligt sich daran. Hört man damit auf, bröckelt die Demokratie.“

Abbie Hoffman 
US-amerikanischer Politaktivist (1936–1989)

Überblick

Themen
  • Politische Partizipation
  • Demokratie
  • Menschenrechte allgemein
Komplexität

Stufe 4

Gruppengröße

8-20 Personen

Zeit

120 Minuten

Überblick

In dieser Übung wird über Rechte und Pflichten von Menschen, Regierungen, NGOs und Medien in einer Demokratie verhandelt.

Fokus
  • Das Wahlrecht
  • Das Recht, sich an der Regierung des Landes zu beteiligen
  • Informationsfreiheit und die Freiheit der Meinungsäußerung
Ziele
  • Den Zusammenhang zwischen Rechten und Pflichten verstehen lernen
  • Diskussions- und Kooperationsfähigkeit entwickeln
  • Gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein fördern
Materialien
  • Pro Person je 1 Blatt Papier und 1 Bleistift für Notizen
  • 4 Blatt großformatiges Papier (A3) oder Flipchart-Papier pro Kleingruppe (je 1 Bogen pro Gruppe für das Protokoll)
  • Je 3 Marker in verschiedenen Farben pro Kleingruppe
  • 4 Knäuel Schnur oder Wolle (1 Farbe pro Gruppe)
  • Je 1 Rolle Klebeband pro Gruppe
  • Schere
  • Je 1 Arbeitsblatt „Spielregeln“ pro Gruppe
Vorbereitung
  • Schneiden Sie die Schnur in 1,5 m lange Stücke (6 Stück Schnur von jedem Knäuel, insgesamt 24 Schnüre)

Durchführung

Anleitung

  1. Die Teilnehmer*innen (TN) sollen eine „Landkarte“ der Beziehungen zwischen vier Akteuren einer (idealtypischen) demokratischen Gesellschaft zeichnen.
  2. Es werden vier gleich große Gruppen gebildet, die für die vier Akteure stehen: Regierung, NGOs, Medien und Bevölkerung.
  3. Jede Gruppe erhält ein großes Blatt Papier (A3 oder Flipchart-Papier) sowie Marker und hat 10 Minuten Zeit für ein Brainstorming über die Rolle, die ihr Akteur in einer demokratischen Gesellschaft spielt, also welche Aufgaben er  im Wesentlichen hat. Nach 10 Minuten sollen sich die Gruppen jeweils auf die fünf wichtigsten Aufgaben einigen.
  4. Dann bereiten sie ihre Protokolle vor. Jede Gruppe bekommt ein weiteres großes Blatt Papier und einen roten Marker. Sie sollen ihren Akteur oben auf das Blatt schreiben und darunter seine fünf wichtigsten Aufgaben.
  5. Die Gruppen kommen zusammen und stellen die von ihnen dargestellten Akteure vor. Lassen Sie Feedback von den anderen Gruppen zu. Fragen Sie, ob alle mit den wichtigsten Aufgaben dieser vier Akteure übereinstimmen. Die Gruppen dürfen nach dem Feedback ihre Listen ändern, wenn sie wollen.
  6. Nun trennen sich die vier Gruppen erneut. Verteilen Sie die grünen Stifte. Geben Sie ihnen 15 Minuten für ein Brainstorming, welche Forderungen sie an die anderen Akteure stellen. Kurz vor Ablauf der Zeit bitten Sie die Gruppen, jeweils die beiden wichtigsten Forderungen mit dem grünen Stift unter separaten Überschriften aufzuführen.
  7. Verteilen Sie Kopien der Spielregeln. Gehen Sie sie durch und vergewissern Sie sich, dass alle verstehen, was als Nächstes zu tun ist. Die Gruppen legen ihre Protokolle in der Raummitte in Abständen von etwa einem Meter zu einem Rechteck aus. Bitten Sie die Gruppen, sich jeweils neben ihre Ecke zu stellen.
  8. Verteilen Sie je 6 gleichfarbige Schnüre, 1 Rolle Klebeband und 1 blauen Marker an jede Gruppe.
  9. Nun beginnen die Verhandlungsrunden. Sie sollten für jede Runde 10 Minuten Zeit einplanen. Erinnern Sie daran, dass das Ziel darin besteht, Beziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren in einer Art Landkarte darzustellen. Wird eine Forderung akzeptiert, klebt man eine Schnur zwischen die beiden Protokolle.
  10. Bei der folgenden Nachbereitung bleiben die TN beim Diagramm sitzen.

Nachbereitung und Auswertung

Bitten Sie die TN, sich das von ihnen geschaffene Netz aus Fäden anzusehen und über die Übung nachzudenken.

  • War es schwierig, sich die Rollen, Aufgaben und gegenseitigen Forderungen von Regierung, NGO, Medien und Bevölkerung in einer Demokratie zu vergegenwärtigen?
  • Gab es Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppen? Wie wurden diese gelöst? Welche Forderungen wurden nicht akzeptiert? Warum nicht? Würden solche Fälle im realen Leben Probleme bereiten?
  • Gab es Forderungen, die die Gruppen akzeptiert haben, die sie aber zuvor nicht selbst erkannt hatten? Wie fühlen sie sich jetzt damit?
  • Haben die TN in dieser Übung etwas über die Verteilung von Aufgaben und Zuständigkeiten in demokratischen Gesellschaften gelernt, was sie zuvor nicht wussten? Gab es Überraschungen?
  • Um welche Menschenrechte ging es bei dieser Übung?
  • Artikel 29 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) besagt: „Jeder Mensch hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist. Jeder Mensch ist in Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zwecke vorsieht, um die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten der anderen zu gewährleisten und den gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und der allgemeinen Wohlfahrt in einer demokratischen Gesellschaft zu genügen (…).“ Welches sind derzeit Ihre wichtigsten Pflichten im Leben?
  • Was müssen die verschiedenen Akteure tun, um sicherzustellen, dass jeder Mensch seine Rechte verwirklichen kann?
  • Was müssen die verschiedenen Akteure tun, um sicherzustellen, dass jeder Mensch Zugang zu Menschenrechtsbildung hat?

Tipps für die Moderation

Einführung

Die vier verschiedenen Schnurfarben (eine Farbe pro Akteur) machen die Landkarte optisch attraktiver und es ist leichter, die Verknüpfungen nachzuvollziehen, wenn zum Beispiel alle Forderungen der Bevölkerung gelb und die der Medien schwarz sind.

Wenn die Gruppen in Schritt 5 ihre Aufgaben und ihre Rolle aufgelistet haben, sollten Sie nicht zu viel Zeit mit der Diskussion in der großen Gruppe verbringen. Betrachten Sie dies eher als Anregung für die weitere Kleingruppenarbeit. Vielleicht wollen sich einige Gruppen Notizen machen zu den Selbstbeschreibungen der anderen Gruppen.

Haben die Gruppen Schwierigkeiten, ihre Aufgaben zu nennen, fragen Sie sie danach, was ihr Akteur genau tut und was fehlen würde, wenn es ihn nicht gäbe! Um den Einstieg zu erleichtern, könnten Sie ein paar Beispiele anführen:

  • Regierungen entwerfen Gesetze und entscheiden über die allgemeine Politik.
  • NGOs setzen sich für die Interessen von Minderheiten ein, greifen Probleme auf, die von der Regierung (oder der Opposition) ignoriert werden, und machen Druck, um Gesetzesänderungen durchzusetzen.
  • Die Medien berichten über die Politik der Regierung, gehen Problemen auf den Grund, analysieren und kommentieren.
  • Die „Funktion“ der Bevölkerung umfasst alles, was in einer demokratischen Gesellschaft wichtig ist: Das reicht von der Kandidatur für das Parlament über den aktiven Einsatz für Menschenrechte oder die Gründung von Organisationen zum Schutz bestimmter Gruppen bis zum Hinterfragen und Einmischen in das politische Leben.

Appellieren Sie an die TN, bei ihren Forderungen (Schritt 5) an die anderen Akteure realistisch zu bleiben. Die Forderungen müssen akzeptabel sein, daher sollten sie keine unfairen oder unvernünftigen Forderungen stellen.

Die Verhandlungen in Schritt 9 sollten nicht als „Wettbewerb“ dargestellt werden und auch nicht zu viel Zeit beanspruchen. Machen Sie deutlich, dass sich die Gruppen als Kooperationspartner betrachten sollen: Der Sinn besteht darin, eine Gesellschaft aufzubauen, in der alle Akteure zur allseitigen Zufriedenheit zusammenarbeiten. Sagen Sie den Gruppen, sie sollen ihnen vernünftig erscheinende Forderungen akzeptieren und die anderen ablehnen. Abgelehnte Forderungen werden in einer späteren Phase diskutiert.

Brauchen die Gruppen Hilfe beim Nachdenken über Forderungen und Pflichten, geben Sie folgendes Beispiel für die Verbindung zwischen Medien und Bevölkerung: Journalist*innen brauchen Hinweise, wo etwas passiert, und Menschen müssen die Medien aufmerksam machen und Augenzeugenberichte abgeben.

Varianten

Die Übung lässt sich komplizierter oder einfacher gestalten, indem die Zahl der Akteure in der Gesellschaft gesteigert oder reduziert wird: Beispielsweise können Sie Unternehmen, Minderheiten oder benachteiligte Gruppen mit dazu nehmen. Dadurch wird jedoch der Verhandlungsprozess enorm kompliziert. In diesem Fall sollte vielleicht nicht jede Gruppe Forderungen an alle anderen stellen. Sie können auch Kategorien benutzen, die für die Lebenswelt junger Menschen unmittelbare Bedeutung haben, und zum Beispiel die Bevölkerung durch Jugendliche und Regierung durch Schule ersetzen.

Wenn Sie eine oder mehrere Gruppen weglassen, wird die Übung einfacher: zum Beispiel, indem Sie nur mit Bevölkerung und Regierung arbeiten. Das kann vorteilhaft sein, wenn Ihre Gruppe klein ist.

Sie können die Übung auch ohne das Diagramm ausprobieren: Dann soll jemand aus der ersten Gruppe in der Verhandlung das eine Ende der Schnur festhalten und das andere jemandem aus der zweiten Gruppe anbieten. Wenn alle ihre Enden festhalten, ist am Ende die ganze Gesellschaft buchstäblich miteinander vernetzt.

Vorschläge zur Weiterarbeit

Die Gruppe kann als Nächstes die Landkarte mit weiteren gesellschaftlichen Gruppen ergänzen (siehe Varianten). Sie können die Landkarte auf ein zweites Blatt Papier übertragen, um sie klarer zu gestalten, und dann die Verbindungen mit verschiedenen Farben einzeichnen – zum Beispiel Rot für Regierung, Gelb für Medien, Grün für NGOs etc. Überlegen Sie, welche Verbindungen in Ihrer Gesellschaft nicht gut ausgebaut sind und was getan werden kann, um dies zu ändern. Wenn die Gruppe darüber nachdenken will, in welche Richtung sich die Gesellschaft bewegt und wie sie diese weiterentwickeln würde, dann gefällt ihr vielleicht die Übung „Unsere Zukunftsaussichten“.

Ideen zum Handeln

Die TN können mit derselben Methode analysieren, wie ihre Kommune, lokale Medien, örtliche NGOs und die ortsansässige Bevölkerung miteinander interagieren. Sie können herausfinden, wo die Verbindungen besser sein könnten, und die Akteure darauf aufmerksam machen, zum Beispiel durch Gespräche, Briefe, einen Blog oder einen Artikel in der Lokalzeitung. Die TN können ganz praktisch damit beginnen, die Vernetzung zwischen ihrer eigenen Organisation, Schule, Hochschule oder ihrem Verein mit anderen Akteuren auszubauen.

Überlegen Sie mit der Gruppe, in welcher Rolle sich jeder Einzelne befindet und was er oder sie zu einer besseren Zusammenarbeit beitragen kann.

Arbeitsblätter

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