Übungen

Kampf um Geld und Macht

„Geld kostet oft zu viel.“

Ralph Waldo Emerson 
US-amerikanischer Philosoph (1803-1882)

Überblick

Themen
  • Armut
  • Globalisierung
Komplexität

Stufe 3

Gruppengröße

8-25 Personen

Zeit

90 Minuten

Überblick

Diese Übung thematisiert den Zusammenhang zwischen Geld und Macht sowie Möglichkeiten einer gerechteren Verteilung von Finanzen

Fokus
  • Gleichheit an Würde und Rechten
  • Das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard
  • Das Recht auf Gesundheit, Nahrung und angemessene Unterbringung
Ziele
  • Ein Bewusstsein entwickeln für die ungleiche Verteilung finanzieller Ressourcen sowie für die hieraus resultierenden Folgen für die eigenen Rechte und Grundbedürfnisse
  • Die Fähigkeit zu kritischem Denken entwickeln
  • Gerechtigkeitssinn und Achtung der Menschenwürde fördern
Materialien
  • 120 Münzen
  • 3 bis 4 Paar Socken
  • 2 große Papierbögen und Marker
  • Papier und Stifte
  • Eine freie Fläche
Vorbereitung
  • Bereiten Sie sich mit Hilfe von Kapitel 5 „Globale Themen im Menschenrechtsschutz“ (PDF, 4,5 MB) auf das Thema Armut vor.
  • Lesen Sie die Anleitung und verschaffen Sie sich einen Überblick über die gesamte Übung sowie die nötigen Materialien. Die Simulation hat drei Teile: Teil 1: Das Gerangel (10 Minuten); Teil 2: Die Spenden (10 Minuten); Teil 3: Die Herstellung ökonomischer Gerechtigkeit (40 Minuten). Zum Schluss folgt eine Diskussion.
  • Legen Sie 20 Münzen zur Seite.
  • Machen Sie eine Wandzeitung, um das Vermögen der Spielenden festzuhalten (siehe Vermögenstabelle).

Durchführung

Anleitung

  • Erklären Sie den Teilnehmer*innen (TN), dass es sich um ein Simulationsspiel handelt, in dem sie die Rolle von Menschen mit unterschiedlichen finanziellen Mitteln einnehmen.
  • Diskutieren Sie zu Beginn die verschiedenen Arten von Armut, wie sie in Kapitel 5 „Globale Themen im Menschenrechtsschutz“ (PDF, 4,5 MB) beschrieben werden. Alternativ kann ein Austausch zu Begriffen und Zusammenhängen sinnvoll sein, um dann direkt in Teil 3 einzusteigen.
  • Bitte Sie die TN, sich aufzuteilen: Zwei Drittel der Gruppe stellen in der Übung finanziell gut ausgestattete Personen dar, ein Drittel Personen, die in Armut leben.
Teil 1: Das Gerangel (10 Minuten)
  1. Bei diesem Spiel muss jede Person so viele Münzen wie möglich ergattern. Es gibt nur eine Regel: Niemand darf dabei ein anderes Gruppenmitglied berühren (Berührungen können mit Strafen belegt werden, zum Beispiel mit dem Zurücklegen einer Münze).
  2. Die größere Gruppe, die reiche Personen darstellt, setzt sich in einem Kreis auf den Boden. Die kleine Gruppe befindet sich außerhalb des Kreises.
  3. Nehmen Sie die zurückgelegten 20 Münzen und verteilen Sie diese an vier oder fünf TN, die im Kreis sitzen.
  4. Geben Sie einigen Personen je ein Paar Socken. Diese müssen über die Hände gestreift und während des gesamten Spiels anbehalten werden. Vertagen Sie jegliche Diskussion über die Bedeutung der Münzen und Socken auf die Nachbereitung.
  5. Verteilen Sie die restlichen 100 Münzen gleichmäßig in der Mitte des Kreises.
  6. Auf ein Signal gilt es, so viele Münzen wie möglich aufzusammeln.
  7. Sind alle Münzen eingesammelt, bitten Sie die TN, dem Rest der Gruppe mitzuteilen, wie viele Münzen sie gesammelt haben. Tragen Sie dazu alle Namen zusammen mit der Anzahl der erbeuteten Münzen in die Vermögenstabelle ein.
  8. Erinnern Sie die Gruppe daran, dass diese Münzen ihren Reichtum darstellen. Erläutern Sie, welche Verbindung es zwischen Reichtum und Privilegien beziehungsweise Macht gibt. Die Größe ihres Besitzes bestimmt darüber, wie weitgehend Bedürfnisse (zum Beispiel Essen, Wohnen, Kleidung, Gesundheitsversorgung und Bildung) befriedigt und Wünsche (höhere Bildung, Autos, Computer, Spielzeug, Fernsehen, Urlaub etc.) erfüllt werden können. In Bezug auf diese Übung bedeutet dies bei einer Gruppengröße von 10 Personen:
    1. Mindestens 20 Münzen: Befriedigung aller Grundbedürfnisse und der meisten Wünsche
    2. zehn bis 19 Münzen: Befriedigung der Grundbedürfnisse
    3. Höchstens neun Münzen: Wegen Krankheit, mangelnder Bildung, unzureichender Ernährung und schlechter Wohnbedingungen wird das Überleben schwierig.
    4. Bei einer Gruppengröße von mehr als 10 Personen müssen Sie die Anzahl an nötigen Münzen entsprechend reduzieren.
Teil 2: Die Spenden (10 Minuten)
  1. Erlauben Sie den TN, Münzen an andere zu verschenken, wenn sie wollen. Sie müssen aber nicht. Sagen Sie, dass diejenigen, die etwas verschenken, auf dieb Liste der „Spender*innen“ gesetzt werden.
  2. Geben Sie den TN drei bis vier Minuten Zeit, nach Wunsch Münzen umzuverteilen.
  3. Fragen Sie, ob diese Spenden die Befriedigung der Grundbedürfnisse für eine Person positiv verändert haben. Diskutieren sie, ob sich die Situation einer Person alleine durch Spenden verändern lässt oder ob es hierfür noch weiterer Ressourcen und Schritte bedarf.
  4. Geben Sie den TN ein wenig Zeit, aus ihren Rollen zu schlüpfen.
Teil 3: Herstellung ökonomischer Gerechtigkeit (40 Minuten)
  1. Teilen Sie Papier und Stifte aus und bilden Sie Kleingruppen. Jede Gruppe soll anhand der Lebensrealität einer Personengruppe (Kinder in Armut, Wohnungslose, Arbeitslose, Geflüchtete, Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderungen) diskutieren, wie finanzielle und andere Ressourcen gerechter verteilt werden könnten. Hierbei sollen auch der Zugang zu Ressourcen und die Bedeutung von Macht und Einfluss erörtert werden. Diskutieren Sie:
    1. Wie sehen die Lebensrealitäten dieser Personen aus? An welchen Punkten können Veränderungs- und Entwicklungsprozesse ansetzen?
    2. Wie stehen diese Prozesse in Bezug zu den Menschenrechten und der Würde der betroffenen Menschen? Inwiefern kann Gerechtigkeit gefördert werden?
    3. Gibt es kleine Schritte oder Aktionen, die die Gruppe selbst dazu beitragen kann, um Armut unter Berücksichtigung menschenrechtlicher Aspekte zu verringern?
  2. Bitten Sie je eine Person pro Gruppe, ihre Überlegungen zu erläutern.

Nachbereitung und Auswertung

Teil 1 und 2

Beginnen Sie mit einem Feedback über die Übung. Wie ist es den TN in der Übung und in ihren Rollen ergangen? Diskutieren Sie dann über den Bezug der Übung zun den Menschenrechten. Lenken Sie die Diskussion anhand der folgenden Fragen:

  • Wie empfanden die TN die Art und Weise der Verteilung und Aneignung der Münzen?
  • Warum haben einige Münzen verschenkt? Wie haben sie entschieden, wem sie ihre Münzen geben?
  • Wie fühlten sich diejenigen, die in Teil 1 zu Beginn von der Moderation Münzen bekommen haben?
  • Wie fühlten sich die TN, die die Socken bekommen haben? Was könnten diese symbolisieren? Wie haben die Socken ihre Situation beeinflusst?
  • Wie erging es den Menschen außerhalb des Kreises? Welche Gruppen von Menschen befinden sich in der Realität in einer ähnlichen Situation? Ist es ein Zufall, in welcher Situation wir uns befinden, wie wir aufwachsen und uns im Laufe unseres Lebens entwickeln?
  • Wer sind die Personen mit vielen beziehungsweise wenigen finanziellen Mitteln hierzulande, im direkten Umfeld und weltweit? Wie kam es dazu?
  • Wie werden durch eine ungerechte Verteilung von Geld, Ressourcen und Macht Menschenrechte verletzt? Welche Menschenrechte sind besonders betroffen? Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?
  • Sollen reiche Menschen mit Zugang zu Ressourcen und Macht sich um die Situation anderer Menschen kümmern und sich verantwortlich fühlen? Warum (nicht)? Sollen sie ihnen finanzielle Spenden zukommen lassen? Lässt sich auf diese Weise das Probleme Armut lösen?
  • Was brauchen Menschen mit wenig Geld und Ressourcen, um ihre Situation zu verbessern? Wo können sie Unterstützung bekommen und was können sie selbst beitragen?
Teil 3

Diskutieren Sie folgende Fragen:

  • Welches Verständnis haben die Kleingruppen von Gerechtigkeit und auf welche Aspekte beziehen sie sich dabei? Gibt es ein gemeinsames Verständnis, auf das sich die Gesamtgruppe einigen kann?
  • Sollen Geld und Macht auf der Welt und hierzulande umverteilt werden? Warum (nicht)? Wenn ja, wie kann man dabei vorgehen? Nach welchen Prinzipien würden Sie etwas verändern? Was sagen Menschenrechte zur Umverteilung?

Tipps für die Moderation

Einführung

Mit dieser Übung soll auf die ungleiche Verteilung von Geld und Macht in der Welt aufmerksam gemacht werden.

Bitte beachten Sie in der Planung dieser Übung die Lebensrealitäten der TN und eine mögliche Entsprechung in der Zuweisung von Rollen sowie in der Berichterstattung aus der Perspektive dieser Rolle. Eine Verfestigung von Zuschreibungen und realen Erfahrungen sollte vermieden werden. Passen Sie die Gestaltung der Übung entsprechend an. Alternativ kann ein Austausch zu Begriffen und Zusammenhängen wie Arten von Armut, dem Zusammenhang von Reichtum, Macht und Privilegien oder der Diskussion von Möglichkeiten einer gerechteren Verteilung von Mitteln und lebensweltnahen Lösungen sinnvoll sein, um dann direkt bei Teil 3
einzusteigen.

Die Fragen bei der Nachbereitung sind komplex und können zu ausgedehnten Diskussionen führen. Ist die Gruppe groß, können Sie diese in moderierte Kleingruppen aufteilen. Wichtige Aspekte und Fragen aus den Kleingruppen können im Plenum aufgegriffen werden.

Vorschläge zur Weiterarbeit

Es gibt viele Methoden, um Reichtum und Armut weltweit zu definieren, etwa die Anzahl der Menschen in Armut in der Gesellschaft, die Sterblichkeitsrate und der Index der menschlichen Entwicklung. Diskutieren Sie darüber, was Reichtum für Ihre Gruppe bedeutet. Dazu können Sie auch jemanden von einer Wohlfahrtsorganisation einladen.

Setzen Sie die Diskussion über die angeschnittenen Themen mit einem Bezug zu aktuellen Situationen fort (zum Beispiel aus der Zeitung oder anderen Medien). Die TN können Berichte und Statistiken zu diesem Thema erarbeiten. Hinweise finden Sie auch in Kapitel 5 „Globale Themen im Menschenrechtsschutz“ (PDF, 4,5 MB) - „Armut“.

Anhand der Übung „Wie viel brauchen wir?“ kann die Gruppe das Thema Reichtum und Vermögensverteilung weiterverfolgen.

Ideen zum Handeln

Diskutieren Sie anschließend, ob beziehungsweise welche Schritte oder Aktionen die Gruppe durchführen möchte. Die TN können eine Organisation kontaktieren, die sich für ökonomisch benachteiligte Gruppen in ihrer Gemeinde einsetzt, um möglichen Unterstützungsbedarf vor Ort zu ermitteln; dies können Wohlfahrtsverbände, die Bahnhofsmission, Nachbarschaftshilfen oder Suppenküchen sein. Erarbeiten Sie gemeinsam einen Aktionsplan.

Manchmal hilft als erster kleiner Schritt auch schon, Probleme zu erkennen und zur Sprache zu bringen. Ermuntern Sie die TN, mit ihren Eltern und im Freundeskreis über die Verteilung von Reichtum zu diskutieren.

Weitere Informationen

Tauschringe sind – meist lokale – Netzwerke mit eigener Währung, die auf Zusammenarbeit und Selbstverwaltung beruhen. Damit können Menschen mit mehr Tauschring-Vermögen als andere nicht mehr Macht ausüben oder konsumieren, als es ihrem gerechten Anteil an den Ressourcen entspricht. Tauschringe sind ein bewährtes Mittel zur Ankurbelung der lokalen Wirtschaft, vor allem in wirtschaftsschwachen Städten.

Statistiken über verschiedene Methoden zur Messung von Reichtum und Armut finden Sie in Kapitel 5 „Globale Themen im Menschenrechtsschutz“ (PDF, 4,5 MB) - „Armut“.

Der Kauf von fair gehandelten Waren ist ein wirksames Mittel, um Produzent*innen aus dem Globalen Süden zu unterstützen. Fairer Handel hilft Arbeitskräften und bäuerlichen Betrieben, ein hinreichendes Einkommen zu erwirtschaften und ihr Leben zu verbessern.

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